
Fabian Scheidler
Das geistige Feld
Essentialien des Theaters
Um dieser Potentialität willen tritt der Schauspieler, der Tänzer auf.
Nicht er hat die Kraft; ihre Möglichkeit, verliehen von der Aufmerksamkeit und Vorstellungsgabe der Zuschauer, ist das, was er formt.
Mit jedem Schritt, den er tut, kann er den Raum des Möglichen weiten oder zerstören.
Der Autor blickt auf das zeitgenössische abendländische Theater mit den Augen eines Zeitreisenden, dem die klassischen asiatischen Theaterformen, die griechische Tragödie, die elisabethanische Bühne und die Commedia dell’arte wohlvertraut sind und der sich aus dieser Perspektive über ein Theater wundert, das sich verzweifelt bemüht, Authentizität zu gewinnen, indem es „echtes Leben“ auf der Bühne herzustellen versucht - und sich dabei in heillose Widersprüche verstrickt.
Mit oft überraschenden kulturgeschichtlichen Querverbindungen - von den Gladiatorenspielen in Rom bis zum Cyberspace - wird die Entwicklung einer uralten Verwirrung nachgezeichnet, in der die Unterscheidung von Sein und Darstellung zugunsten einer verkürzten Vorstellung von „Echtheit“ verloren gegangen ist.
Die permanenten Ikonoklasmen, die manische Suche nach den letzten noch zu brechenden Tabus, werden als Versuche beschrieben, einer entwirklichten Welt zu entkommen. Doch die auf der Bühne ausgestellten „echten“ Gefühle und „echten“ Körper führen keineswegs aus der Gefangenschaft heraus, sondern werden Teil einer Zurschaustellung, die an die Stelle wirklicher Kommunikation tritt.
Dem gegenüber skizziert der Autor die Umrisse eines anderen Theaters, das den Zuschauer nicht als Objekt einer Konfrontation versteht, sondern als den Kraftpol, von dem aus sich ein geistiges Feld ausbreiten kann, in dem selbst die kleinste Bewegung eines Schauspielers größte Wirkung entfalten kann.
Im Einzelnen werden folgende Punkte untersucht:
Fabian Scheidler: Das geistige Feld. Essentialien des Theaters. 88 Seiten, Paperback. 8,- €